„Es war eine Zeit – fragt nicht, vor wie viel tausend Jahren, niemand weiß es –, da war ein Meer, wo heute die Schwäbische Alb sich erhebt. Es war ein warmes Meer, reich an Tieren. Steinkorallen wuchsen am Ufer wie unterseeische Gebüsche. Zwischen ihren Zweigen regten und bewegten sich, wie heute noch an den warmen Gestaden der südlichen Meere, Tausende von Seesternen und Seeigeln, Muscheln, Schnecken und Würmern, von Krebsen und Korallenfischchen in üppiger Farbenpracht. Auf der hohen See schwammen Fischherden und Ammonshornschnecken, verfolgt von mächtigen Fischeidechsen, den Raubherrschern dieses Ozeans.
Die Kalkschalen und die Knochen der Millionen, die da starben im Laufe der Jahrhunderte, sanken nieder auf den Boden des Meeres. Die meisten wurden am Ufer durch die Brandung zermalmt, oder sie wurden zerdrückt durch die Massen, die auf sie fielen. Sie bildeten einen Kalkschlamm und dieser wurde zu Stein. Das sind die Felsen, die tausend Fuß hohen Felsen unserer Alb.
Die Schalen und Knochen, die nicht zerrieben wurden, betteten sich ein in den Schlamm des Meeres, versteinerten dort und sind uns erhalten bis auf den heutigen Tag. Sie geben uns Kunde von jenem Ozean und seinem Leben.“
So beginnt die spannende Geschichte des Helden Rulaman aus dem Volke der Aimats. Sie ist nachzulesen in dem Roman "Rulaman - Eine Naturgeschichtliche Erzählung aus der Zeit des Höhlenmenschen und des Höhlenbären" von David Friedrich Weinland, erschienen 1878. Die Handlung spielt auf der Schwäbischen Alb zur Zeit des Jungpaläolithikums, Schauplätze sind im Besonderen die zahlreichen Höhlen dieses Gebietes. Auch wenn Rula-man weit früher gelebt hat (40.000 bis 10.000 v. Chr.) als die keltischen Kulturen aus dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr., auf deren Spuren wir uns bewegen, so zeigen diese doch, dass die Region eine Besiedelungsgeschichte von mehr als 2200 Jahren und darüber hinaus aufweist.
Strecke:
Marktplatz Bad Urach - Elsachtal - Kaltentalweiher - Hülbener Steige - Hülben - Burrenhof - Wilhelmsfels - Erkenbrechtsweiler - Bassgeige mit Bruckerfels - Hochwang und Kammfels - Kesselfinkenloch - Grabenstetten - Schreckenfels - Erdtal - Hengen - Fischburgtal - Wittlingen und Hohenwittlingen - Schillerhöhle - Rulamanweg - Grüner Weg - Höhenfreibad Bad Urach - Ziegelsteige - Rutschenfels - Runder Berg - Fohlensteige und Maisental - Marktplatz Bad Urach
Länge: 60 km
Höhenmeter: 1170 m (Höhenprofil hier)
Max. Höhe: 760 m
Max. Steigung 24%
Fahrzeit: ca. 6 h
Bildimpressionen entlang der Tour rechts (zum Vergrößern auf das entsprechende Bild klicken!)
Tourencharakter:
Kondition: *****
Fahrtechnik: *****
Landschaft: *****
Diese Ganztagestour der Superlative verlangt von uns in Bezug auf Kondition und Fahrtechnik Höchstleistungen. Lange Singletrail-Passagen, die vielfach nahe am Abgrund entlang führen, verwurzelt oder mit Felstrümmern verblockt sind, erfordern höchste Konzentration. Die Tour empfiehlt sich nur, wenn es zuvor mindestens 2 Tage trocken war. Belohnt wird man mit außergewöhnlichen Aussichtpunkten, wildromantischen, einsamen Schluchten und Tälern und rasanten Trails.
Unsere Tour startet auf dem historischen Marktplatz von Bad Urach. Mountainbiker, die mit dem Wagen anreisen, sollten auf den Parkplätzen des Wasserfalls im Maisental parken (hier endet auch die Tour) und die kurze Strecke zum Marktplatz mit dem Bike zurücklegen. Durch das Elsachtal und Pfählertal gelangen wir schnell in das idyllische Kaltental mit seinen 2 Weihern. Über die gut fahrbare Alte Hülbener Steige klettern wir auf über 700 Meter bis an den Ortsrand von Hülben. Ein kleiner Brunnen auf halber Höhe erinnert daran, dass bis 1911 der Ort Hülben keine Wasserversorgung hatte. Die Frauen und Mädchen mussten das Wasser in Körben von diesem Brunnen bis hinauf nach Hülben tragen. In der Nähe des Burrenhofes, ein Landgasthaus mit einfacher schwäbischer Küche, treffen wir zum ersten Mal auf den sogenannten Heidengraben, eine teilweise noch sehr gut erhaltene Wall- und Grabenanlagen, die Reste ehemaliger Mauerbefestigungen darstellen. In ihrer äußeren Linie umschließen sie eine Fläche von ca. 1660 ha. Darin eingebunden ist das vermutete Zentrum der Siedlung, die sogenannte "Elsachstadt". Die heutigen drei Gemeinden Hülben, Grabenstetten und Erkenbrechtsweiler teilen sich das Areal dieser keltischen Stadt. Sie gehörte zu den größten, befestigten keltischen Siedlungen Mitteleuropas (>>> mehr Infos hier).
Auf phantastischen Singletrails mit viel Flow fahren wir immer entlang des Albtraufs in Richtung Erkenbrechtsweiler, wobei wir spektakuläre Felsen wie den Wilhelmsfels oder den Bruckerfels passieren. Nachdem wir Erkenbrechtsweiler hinter uns gelassen haben, erreichen wir das Hochplateau der Bassgeige, die ihren Namen aufgrund der charakteristischen Form erhalten hat. Informations- und Schautafeln geben Auskunft über die Bedeutung des Heidegrabens und der Elsachstadt. Wir umfahren die äußeren Randzonen der Bassgeige, wobei wir stets am Albtrauf bleiben. Die Trails sind teilweise sehr verblockt oder verwurzelt und verlangen hohes fahrtechnisches Können. Der Weg führt uns weiter vorbei an Hochwang und am Kammfels, der einen grandiosen Ausblick ins Lenninger Tal gewährt. Nachdem wir eine Kreisstraße passiert haben, gelangen wir zum Kesselfinkenloch, eine gewaltige Felsbrücke mit einem ca. 5 m im Durchmesser großen Loch in einer senkrechten Felswand. Wir verlassen nun den Albtrauf und passieren Grabenstetten. Ca. 1 km nach Ortsende biegen wir links ab in Richtung Schreckenfels (681m) und Kleine Schrecke. Der Pfad in die Schlucht ist sehr schmal und zwingt uns öfter zum Absteigen. Größte Vorsicht ist geboten, da an einzelnen Stellen Absturzgefahr besteht. In der Talsohle stoßen wir auf einen schmalen Forstweg, der uns durch das Erdtal führt. Tonnenschwere Felsbrocken und Monolithen, wie von Zyklopen dorthin geworfen, säumen rechts und links den Weg. Da die Strecke nur sanft ansteigt, haben wir genügend Muße, dieses wilde Tal genauer zu betrachten. Wir überqueren eine kleine Kreisstraße und umfahren Hengen auf Forstwegen, die aufgrund der tief eingefahrenen Spuren von Treckern nur sehr schwer befahrbar sind. Glücklicherweise führt der Weg abwärts, so dass wir das Bike nicht verlassen müssen. Im Fischburgtal treffen wir erneut auf eine Kreisstraße, von der wir nach einigen Hundert Metern in ein idyllisches Seitental abbiegen. Während wir auf dem schmalen Schotterweg bequem in Richtung Wittlingen hochkurbeln, fließt uns linkerhand ein kleiner Bach in zahlreichen Kaskaden entgegen.
Von Wittlingen aus (vgl. 3-Burgen-Tour) sind es nur noch ca. 2 Kilometer zum Hohenwittlingen. Auf einem schönen Waldtrail erreichen wir die Burgruine. Sie ist recht verfallen, bietet aber einen fantastischen Blick hinunter ins Ermstal. Der nachfolgende Pfad zur Schillerhöhle hat es in sich. Hier würde selbst Hans „No Way“ Rey schieben. Wer eine Taschenlampe im Gepäck und gutes Schuhwerk an den Füßen hat, kann die Höhle in den Sommermonaten besichtigen. Meist ist man hier in völliger Dunkelheit allein und genießt die Stille und Kühle. Der weitere schmale Weg führt wieder in ein wildes Tal, die Wolfsschlucht, mit seinem bekannten Urgeschichtepfad, dem Rulamanweg. Mit jedem Meter fahren wir auf diesem Lehrpfad 1000 Jahre zurück bis zu den ersten Urmenschen (>>> mehr Infos zum Rulamanweg).
Die nachfolgende Route führt uns auf dem Grünen Weg durch das Ermstal und schließlich nach Bad Urach. Diejenigen, die diese Tour beenden wollen, haben hier eine gute Gelegenheit dazu. Der Marktplatz liegt nur einige Hundert Meter entfernt. Alle anderen starten nun erneut zum letzten Albaufstieg, der vorbei am schön gelegenen Höhenfreibad und weiter auf Waldwegen bis zur Kreuzhütte (570 m) führt. Auf der Ziegelsteige klettern wir bis zur Albkante (750 m). Auf gut ausgebauten Schotterwegen vorbei am Rutschenfelsen (Aussicht!) erreichen wir die Fohlensteige. Hier wenden wir uns wieder talwärts. Nach wenigen Kilometern in einer Linkskurve verlassen wir die Fohlensteige und folgen einem schmalen Pfad, der anfangs steil nach unten und wenig später noch steiler nach oben führt, bis wir den Runden Berg erreicht haben. Drei Jahrtausende lang haben Menschen auf dem 711 Meter hoch gelegenen Plateau des Runden Berges gesiedelt. Der Ort strahlt auch heute noch, obwohl nahezu keine Bauwerke erhalten sind, aufgrund seiner Lage einen ganz besonderen Reiz aus. Informationstafeln und Bänke laden zum Verweilen ein. Wir fahren auf dem gleichen Weg zurück, bis wir wieder auf die Fohlensteige treffen. Hier wenden wir uns abwärts und steuern direkt auf das Maisental zu, wo wir die Tour bei einer Nachbesprechung und einem Weizenbier beenden.
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